Kochkurs in Arequipa

Der erste Teil meiner Entdeckungsreise in Peru ist fast vorbei und ich bin voller schöner Eindrücke von den Menschen und der Natur. Aber zunächst zu meiner Expeditionsgruppe: 12 Australier, 1 US American aus South Dakota, 1 French Canadien aus Quebec, 1 Belgierin aus dem flämisch sprechendem Teil und ich als einziger Deutscher. Da allein durch die Welt reisen nicht so mein Ding ist, habe ich in den letzten Jahren an vielen Expeditionen teilgenommen und viele Leute aus aller Herren Länder kennengelernt. Aber diese Expedition übertrifft alle – Australier sind ein lustiges Volk – mit denen kann man viel Spass haben. Ob Brittney und Greg, Amber und Drew, Ross und Ashley,  David, Jana, Matt, Steph, Kelly, Chris, Deborah, Diane alle irgendwie unterschiedliche Typen, die aber auf dieser Peru Expeditionen einem das schöne Gefühl geben als ob wir uns schon ewig kennen. Und die mir als einzigem “German” auf eine nette Art helfen, mein bescheidenes Englisch an der ein oder anderen Stelle zu verbessern. Kurzum mit denen habe ich wirklich Glück.

Unter den vielen Erlebnisse der letzten Tage hat mir eines ganz besonders gefallen: Ein Kochkurs in Arequipa. Bereits am ersten Abend in Lima habe ich das peruanische Nationalgericht Ceviche ausprobiert und war begeistert. Roher weißer Fisch in Limettensoße gebeizt schmeckt mit Süßkartoffeln super und ist schnell zubereitet. Das will ich auf jeden Fall auch einmal in Deutschland ausprobieren. Da lag die Idee nahe, an einem Kochkurs in Peru teilzunehmen. Das empfanden auch 3 Australier so und wir haben unkompliziert über das Internet  bei Arthur’s Restaurant in Arequipa einen 3h Kochkurs gebucht. Schon der Name Arthur ließ vermuten, dass der Typ nicht der klassische Peruaner ist. So war es auch: Das schwarze Schaf aus einer Arztfamilie mochte anders als seine Geschwister die Familientradition der Arztkarriere nicht fortsetzen und hat zum anfänglichen Entsetzen seines Vaters lieber kochen gelernt. Und das in Lima aber auch in den USA und Frankreich. Die Sehnsucht nach der Heimat und seine Passion hat ihn doch wieder nach Arequipa verschlagen, wo er nun sein eigenes Restaraunt und Kochschule betreibt. Sein Vater ist mittlerweile auch auf ihn stolz, zumal Arthur bei großen Familienevents das Catering übernimmt und alle glücklich darüber sind. Interessante Persönlichkeit.

Neben der Zubereitung von Ceviche gehörte auch das Flambieren von Alpackafilet zum Kochkurs. Und auch das war ein Erlebnis pur: Das Fleisch wurde kurz in einer Knoblauch -Chili- Tunke mit Zwiebeln angebraten bevor es mit verschiedenen Soßen 3mal 30 Sekunden lang flambiert wurde. Es gibt nicht viele Situationen in meinem Leben in denen ich meinen naturbedingten Kurzhaarschnitt wirklich mag – hier war es so. Im ersten Moment war ich schon ein bisschen erschrocken über die enorme Flamme und die Gefahr des Verkohlens vom Alpackafilet, bei der zweiten Welle des Flambierens schon nicht mehr. Leider kann ich diese Erfahrung in meiner Frankfurter Altbauwohnung mangels Gasherd nicht ausprobieren – meine Nachbarn werde es mir danken. Das Ergebnis des Flambierens im Kochkurs dagegen war wirklich sehr lecker.

Wen es einmal nach Arequipa in Peru verschlägt der sollte für den Abend einen Kochkurs bei Arthurs Restaurant einplanen – ein unvergessliches Erlebnis. Mit 100 Soles oder ca. 23 € auch nicht teuer.

Horrible Morning run in Lima

Immer wenn ich in einer unbekannten Stadt bin habe ich es mir zur Angewohnheit gemacht, diese mit einem frühen Morgenlauf zu erkunden. Als notorischer Frühaufsteher und leidenschaftlicher Läufer ist das ein schöner Start in den Tag. Ich mag diese Zeitwenn eine Stadt so langsam erwacht. Allerdings muss ich manchmal akzeptieren, dass mit dem Aufwachen auch nach und nach die morgendliche rush Hour deutlich zunimmt. So auch in Lima – aber es war dann doch ein bisschen zu viel an Berufsverkehr.

Aber der Reihe nach: Nachdem ich am Tag meiner Ankunft in Lima keine Lust mehr hatte, irgendwie von Miraflores in die 9 km entfernte historische Altstadt aufzubrechen, war ich wild entschlossen, dies am nächsten Morgen natürlich laufend vor dem Frühstück zu tun. Die Entfernung von 18 km hin und zurück hat mich zwar ein bisschen stutzig gemacht aber nicht völlig abgeschreckt. Also gegen 6 Uhr aufgestanden, bei Google Maps schnell die  Strecke erkundet und los ging es. Lima schläft um diese Zeit noch und die Straße in Richtung Altstadt war schnell gefunden. Es waren zwar schon ein paar Autos unterwegs aber die Abgase waren noch einigermaßen erträglich. Auch mal schnell bei Rot über Ampel sprinten war auch kein Problem – alles wie in deutschen Städten auch. Hin und wieder würde mir ein freundliches “Buenos Dias” oder “you are very good” zugerufen. Smile. Aber je näher ich meinem Ziel kam desto mehr nahm der Verkehr zu. Nach knapp einer Stunde war ich am Plaza de Majo angelangt – angenehm in einer Fußgängerzone. Die historische Altstadt mit Gebäuden aus der Kolonialzeit ist wirklich schön und muss man in Lima gesehen haben. Kein Vergleich zum modernen Miraflores.

Und dann der Weg zurück: überall Autos, Lastwagen, Busse, Mopeds etc. – soweit das Auge reichte. Die Stadt war erwacht. Selbst bei grüner Fußgängerampel blieben die Leute stehen. Für mich völlig sonderbar- in Deutschland hätte jeder Fußgänger sein Recht schimpfend eingefordert. An der zweiten oder dritten Ampel fielen mir dann aber die 2 Verkehrspolizisten auf , die als Ergänzung zu den Ampeln den Verkehr regeln. In Frankfurt vertraue ich als Radfahrer oder Fußgänger nie wirklich auf die Ampeln allein – ich schaue lieber noch mal , ob nicht irgendein Autofahrer bei Rot über die Kreuzung donnert. In Lima wird dies aufgrund des extrem hohen Verkehrsaufkommens durch die Verkehrspolizei unterstützt. Und wer als Fussgänger bei Beginn der Grünphase nicht an der Ampel steht und los laufen kann – hat verloren. Der muß trotz Grün und dieses aufgrund der anwesenden Verkehrspolizei kategorisch  missachtende Autofahrer auf die nächste Grünphase  warten. Somit verlief der Rückweg doch ein bisschen stockend. Aber wieder im Hotel in Miraflores angekommen war ich schon ein bisschen stolz auf mich und glücklich, tatsächlich in der Früh losgelaufen zu sein. Das Frühstücksbuffet war auch noch offen. Nochmal würde ich es aber in Lima nicht machen – da laufe ich doch lieber im Wald oder am Mainufer in Frankfurt.

Schnapsidee oder Ankunft in Lima

Wie bin ich nur darauf gekommen, einen eigenen Blog zu schreiben ? An eine verlorene Wette kann ich mich nicht erinnern. An eine durchzechte Nacht vielleicht, ich weiß es nicht mehr so genau. Was für eine Schnapsidee also – ich langweile mich ohnehin nicht in meinem Leben und jetzt muss es auch noch ein Blog sein ? Wahrscheinlich ist es wieder meine unstillbare Neugierde etwas Neues auszuprobieren. Oder steckt vielleicht noch mehr dahinter ? Letztlich ist es auch völlig egal – Hauptsache es macht Spass oder wie sagt eine gute Freundin immer: “Liebe was Du tust”…

Wie jedes Jahr im Dezember bin ich wieder in der Welt unterwegs – diesmal soll es Peru sein. Eigentlich wollte ich nach Thailand oder Myamar aber auch wie jedes Jahr habe ich erst Anfang September darüber nachgedacht, was ich mit meinem Jahresurlaub so anstellen will. Also habe ich einmal früh am Samstagmorgen – ich stand schon 10 Minuten vor dem Öffnen vor der Tür des Reisebüros – meine Reiseberaterin des Vertrauens aufgesucht. Nur die Strategie ging nicht auf: Nur weil ich Samstagmorgen der Erste war, heißt das nicht zwingend, auch jene Reisen buchen zu können, für die man eigentlich viel zu spät ist. Also musste ein anderes Ziel her und ich habe Webseiten durchforstet, was es denn sonst noch so gibt. Und von da an ging alles ziemlich schnell fast wie hin und wieder beim Shoppen: Ich sehe etwas und denke sofort “Will haben”. Manchmal hadere ich noch ein bisschen mit dem Preis aber ich bin sonst sehr bescheiden: Ich habe nicht einmal ein eigenes Auto und abgesehen von Triathlon keinen ausschweifenden Lebensstil. Also die ins Auge gefasste Reise mit Titicacasee, Cusco, Inka-Trail, Machu-Picchu, Amazonas-Regenwald  hat mir auf den ersten Blick zugesagt – da wollte ich sowieso mal hin.

Und jetzt bin ich schon in Lima. Die Anreise war recht unspektakulär. Allerdings kam beim Umsteigen in Madrid schon ein bisschen südamerikanisches Feeling auf: Als heller eher nordischer Typ stand ich beim Boarding wie ein Leuchturm unter den zahlreichen Südamerikanern als ob würde ich verkünden wollte: “Folgt mir – ich bring euch sicher nach Hause”. Ich bin aber immer wieder verwundert, was manche Mitreisende so als Handgepäck deklarieren: Soviel Gepäck habe ich insgesamt nicht dabei und hoffe dann immer inständig, dass doch irgenwo ein kleines Plätzchen für meinen Daypack übrig ist ohne das halbe Flugzeug auf den Kopf stellen zu müssen. Hat geklappt  – alles gut.

In Lima angekommen war es kein Problem, mit dem Airportexpress in die Innenstadt zu kommen und das gebuchte Hotel für die erste Nacht im Stadtteil Miraflores zu finden. Auch die Sache mit der Geldbeschaffung war unproblematisch  – es gibt genügend Geldautomaten in Miraflores. Und nette kleine Cafes in denen man viele kleine Köstlichkeiten ausprobieren kann. Dennoch war ich durch den langen Flug durch die Nacht heute nicht zu Hochstleistungen fähig – Lima ist mit 8,5 Mio. Einwohnern riesig und Miraflores liegt gut 9 km vom historischen Stadtzentrum entfernt. Zu weit um einfach kurz vorbei zu schlendern. Also war ich froh gegen 13 Uhr mein Zimmer beziehen zu können und mich ein wenig aufs Bett zu legen. Aber mit ein bisschen Schlummern war nix  – die Schnapsidee mit dem Blog hielt mich wach…